Nachruf zum Tod von Bernd Sautter

Ein Nachruf auf den Chronisten der Stuttgarter Sport- und Fankultur

Der Tod von Bernd Sautter wird in der Stuttgarter Kultur-, Fußball- und Radsportszene eine riesige Lücke hinterlassen. Als Publizist, Autor und Texter war er weit mehr als nur ein Blogger oder Journalist; er war einer der profiliertesten und authentischsten Chronisten der regionalen Sportkultur, der das Geschehen auf dem Rasen und auf dem Asphalt stets mit gesellschaftlicher Verantwortung und literarischem Anspruch verknüpfte.

In den letzten Jahren hat er sich um viele Themen und Aktivitäten verdient gemacht:

Bewahrung und Vermittlung der regionalen Fußballkultur

Bernd Sautter war ein profunder Kenner des Fußballs in Baden-Württemberg – und zwar abseits des reinen Ergebnis-Journalismus. Er schrieb intensiv über die Historie und die Identität des Sports, unter anderem für das renommierte Zeitspiel-Magazin.

Mit seinen Büchern wie „Heimspiele Baden-Württemberg“ oder „VfB Stuttgart: Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ hat er dem Fußball von der Bundesliga bis zur Kreisklasse ein dokumentarisches Denkmal gesetzt. Er verstand Fußball als echtes Kulturgut und machte dies in Vorträgen und Projekten für uns alle greifbar.

Kritisches Engagement gegen die Kommerzialisierung

Bernd Sautter war kein unkritischer Fan. Er positionierte sich regelmäßig gegen die Auswüchse des modernen Profifußballs. Unter dem Titel „Wahrer Sport oder Ware Sport“ hielt er pointierte sportpolitische Impulse und regte Diskussionen über die Entfremdung zwischen Vereinen und Basis an. Auch die Vergabe der WM nach Katar begleitete er kritisch und moderierte hierzu vielbeachtete Podiumsdiskussionen (u. a. im Theaterhaus Stuttgart).

Einsatz für Fankultur und gegen Rechtsextremismus

Ein zentrales Herzensprojekt war für ihn die Kurven- und Fankultur, insbesondere rund um den VfB Stuttgart, dem er seit seiner Kindheit tief verbunden war. Er engagierte sich dazu stark im VfB-Fanprojekt und moderierte dort zahlreiche Veranstaltungen.

Besonders wichtig war ihm der Kampf für eine tolerante Fankurve: Sautter engagierte sich im Stuttgarter Netzwerk gegen Rechts. Er organisierte und moderierte Podiumsdiskussionen (wie im Stuttgarter Jugendhaus DAS CANN), die sich gezielt mit dem Vormarsch von Rassismus, Sexismus und Antisemitismus in den Stadien und Fankurven auseinandersetzten.

Die Leidenschaft für den Radsport und die Straße

In den letzten Jahren entwickelte Bernd eine ebenso leidenschaftliche Liebe zum Radsport. Für ihn war das Rennrad kein reines Sportgerät, sondern ein Werkzeug der Entschleunigung, der Selbstreflexion und ein Weg, Landschaften völlig neu zu erfahren.

Das Fahrrad als literarisches Sujet: In verschiedenen Publikationen schrieb er über die Faszination des Radfahrens. Es ging ihm dabei selten um Wattzahlen oder Bestzeiten, sondern um das Lebensgefühl: das Leiden am Berg, die Einsamkeit auf der Landstraße und die Schönheit des analogen Reisens.

Die letzte große Reise nach Frankreich: Diese Liebe führte ihn zuletzt nach Frankreich, dem Mutterland des Radsports. Hier erfüllte er sich einen tiefen Wunsch und war wochenlang mit dem Rennrad auf historischen Routen unterwegs. Er suchte die legendären Pässe und Orte der Tour de France auf, um den Mythos dieses Sports hautnah zu spüren. Diese Reise war gleichzeitig ein tiefes persönliches Erlebnis und ein journalistisches Projekt: Er dokumentierte die Erlebnisse, die Begegnungen am Straßenrand und die Strapazen der französischen Berge mit gewohnter sprachlicher Eleganz.

Auch in seiner Heimatregion machte er sich für die Radkultur stark. Er vernetzte sich mit der lokalen Gravel- und Rennrad-Szene, unterstützte die Idee des Fahrrads als nachhaltiges Fortbewegungsmittel im urbanen Raum und förderte die Begeisterung für den Radsport abseits des reinen Leistungsschau-Charakters.

Verbindung von Popkultur, Stadtgeschichte und Sport

Bernd Sautter verstand es wie kaum ein anderer, Brücken zu bauen und den Sport dorthin zu bringen, wo man ihn im ersten Moment vielleicht nicht vermutete – in die Kulturszene der Stadt. Er war Teil von Joe Bauers Flaneursalon, moderierte historische Abende im StadtPalais – Museum für Stuttgart (wie das Jubiläum zur ersten Deutschen Meisterschaft des VfB) und konzipierte Formate, in denen sich Live-Musik, Literatur, Stadtgeschichte und Sport begegneten.

Bernd Sautter – eine Persönlichkeit mit dem Herz am richtigen Fleck

Bei all seinen beruflichen und ehrenamtlichen Verdiensten und Erfolgen war es vor allem seine Persönlichkeit, die Bernd Sautter so besonders machte. Er war ein Mensch, der das Herz am richtigen Fleck hatte und soziale Werte im täglichen Miteinander nicht nur predigte, sondern tief im Herzen trug und vorlebte. Wer mit ihm zu tun hatte, erlebte einen humorvollen, oft herrlich lustigen Gesprächspartner, der Leichtigkeit und Tiefgang perfekt zu verbinden wusste. Er hatte immer ein offenes Ohr für die Anliegen anderer, war ein großartiger Zuhörer und sprudelte gleichzeitig immer vor tollen, kreativen Ideen, mit denen er Menschen begeistern und zusammenbringen konnte. Dieses tiefe menschliche Grundverständnis war der Motor für all sein Schaffen.

Bernd Sautter wird den Stuttgartern als ein leidenschaftlicher, fröhlicher und immer zutiefst ehrlicher und empathischer Geist in Erinnerung bleiben. Egal ob auf Rasen oder auf Asphalt – für ihn war der Sport immer ein Spiegel des Lebens, der Kultur und des gesellschaftlichen Miteinanders.

Du fehlst uns, Bernd.