Schnelle Hilfe für Erdbebenopfer – aber woher kommen die Spenden?

Die Vereine der 1. und 2. Bundesliga berichten auf der DFL-Seite „Bundesliga wirkt“ laufend über ihr gesellschaftliches und soziales Engagement. Wir schauten auch im Januar wieder genau hin: inwieweit werden die Bundesligavereine ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und Verantwortung gerecht? Welche der dort aufgeführten Aktionen sind besonders erwähnenswert?

Anfang Februar erschütterten verheerende Erdbeben das türkisch-syrische Grenzgebiet. Die meisten Erst- und Zweitligisten reagierten sofort und setzten sich für die Unterstützung von schnellen Hilfsmaßnahmen ein.

In der Form der Unterstützung tat sich eine ziemliche Bandbreite auf. Zeichen der Solidarität wurden gesetzt: eine Schweigeminute am Spieltag, gemeinsame Banner, beide Mannschaften trugen Trauerflor. Die Not lindert das allein noch nicht. Vereine bitten um Spenden für die „Aktion Deutschland Hilft“, als Bündnis deutscher Hilfsorganisationen ein sinnvoller Adressat für Spenden. Da hilft sicherlich die Strahlkraft und Reichweite des Fußballs, aber erhöht das wirklich das Spendenaufkommen spürbar? An Spendenaufrufen aus Politik und Gesellschaft mangelt es ja ohnehin nicht.

Die Lokalrivalen 1. FC Nürnberg und SpVgg Greuther Fürth machten gemeinsame Sache mit den Handballern vom HC Erlangen und den Basketballern der Nürnberg Falcons und erhoben einen Spendeneuro zusätzlich auf ihre Heimspieltickets. In den Farben getrennt, in der Sache vereint! Eine schöne Aktion, gezahlt haben die Zuschauer der Spiele.

Andernorts wurde das Becherpfand gespendet. Sehr löblich und wahrscheinlich kam auch zu diesem Anlass mehr zusammen als sonst, leider aber auch auf Kosten derjenigen Organisationen, die sonst diese Spende aus der Pfandaktion bekommen.

Einige Vereine seien beispielhaft für wirksamere Aktionen genannt: Borussia Dortmund und der SV Werder Bremen haben neben anderen Spendenaktionen im Anschluss an ihr Bundesligaspiel die matchworn Trikots zugunsten der Erdbebenhilfe versteigert, ebenso wie der 1. FC Köln, der sich dazu mit den RheinStars Köln, den Kölner Haien sowie Fortuna und Viktoria Köln in der Initiative #zesammehelfe zusammengetan hat.

Der SC Freiburg spendete insgesamt 50.000 Euro an die Caritas, an Ärzte ohne Grenzen, die Katastrophenhilfe der Diakonie sowie die Barada Syrienhilfe. Der VfB Stuttgart spendete den kompletten Erlös aus dem Verkauf von 1.100 Tickets, die zwischen dem 14. Februar und dem Anpfiff des Spiels gegen den 1. FC Köln verkauft wurden und verdoppelte obendrein die Einnahmen von 10.000 Euro aus einem Losverkauf. Somit gingen 56.000 Euro an die Hilfe für die Erdbeben-Opfer.

Seiner Spitzenposition im deutschen Fußball wurde dieses Mal der FC Bayern München gerecht, der dem Verein „Orienthelfer“ umgehend 100.000 Euro für die Hilfe im Erdbebengebiet zur Verfügung stellte.

Viele Berichte über ehemalige Bundesligaspieler, die direkt oder indirekt von der Katastrophe betroffen sind, zeigen, dass es über den rein humanitären Aspekt hinaus eine direkte Verbindung zum Fußball gibt. So wurden beispielsweise auch einige Bremer und Dortmunder Aktionen vom ehemaligen Werder-Kapitän Ömer Toprak initiiert, der schon für beide Klubs auflief.

Die beiden deutschen Profiligen bilden zusammen ein 5 Milliarden Business. Sollte da zu einem solchen Anlass nicht mehr möglich sein? Es wäre schön, wenn sich über den kurzfristigen Aspekt der Soforthilfe eine langfristige, nachhaltig wirkende Unterstützung der Region ergäbe.

Im Bereich Inklusion zeigten einige Aktivitäten, dass auch kleine Maßnahmen große Wirkung entfalten können. im Bremer Weserstadion gibt es seit dieser Saison neben den Plätzen für Rollstuhlfahrer:innen auch sogenannte Easy Access Seats auf der Nordtribüne. Durch die Einführung der barrierefrei erreichbaren Sitze will der SV Werder Bremen die Teilhabemöglichkeiten erhöhen und die Barrieren des Stadionbesuchs weiter abbauen. Das Sitzplatz-Angebot richtet sich an Menschen, die aufgrund von Behinderung oder eingeschränkter Mobilität zwar keinen Rollstuhl, aber einen barrierefreien Zugang benötigen. Dazu zählen beispielsweise Personen, die ihr Knie nicht beugen können oder Gehhilfen nutzen.

Die TSG Hoffenheim veranstaltet zum Spiel in Freiburg erstmals im Jahr 2023 eine barrierefreie Auswärtsfahrt. Um allen Fans diese Reise zu ermöglichen, wird dazu ein Reisebus mit Rollstuhlrampe eingesetzt.

Bereits seit 2010 begleitet Bayer 04 Leverkusen das Projekt „Einfach Fußball“. Dabei haben geistig beeinträchtigte Jugendliche an inzwischen mehr als 20 Standorten in ganz Deutschland die Möglichkeit, regelmäßig ihrem Lieblingshobby nachzugehen. Die „Einfach-Fußball-Turniere“, die zweimal im Jahr indoor und outdoor in Leverkusen stattfinden, sind mit mehr als 500 Teilnehmern ein voller Erfolg. Nun wird sich bald auch auf internationaler Bühne gemessen: Die Special Champions League startet mit Bayer Leverkusen als Teilnehmer bei der Turnierreihe für geistig beeinträchtige Menschen. „Inklusiver Fußball der Königsklasse!“

Der SV Werder Bremen hat in den vergangenen Monaten im Rahmen des Strategieprozesses durch Mitarbeiter:innen seine neue Diversity, Inclusion & Equity (DIE)-Leitlinie entwickelt, die als Basis für das Selbstverständnis und Engagement der Grün-Weißen in diesem Bereich dient. Diversität soll so Stück für Stück zu einer Selbstverständlichkeit im Denken und im Handeln gemacht werden.

Da die Begriffe oft gebraucht, aber selten konkretisiert werden, soll an dieser Stelle einmal die griffige Definition der Bremer zitiert werden:

„Diversity (Vielfalt): Das Vorhandensein unterschiedlicher und vielfältiger Merkmale, die individuelle und kollektive Identitäten ausmachen, einschließlich Geschlecht, Alter, Religion, sexueller Orientierung, ethnischer Zugehörigkeit, nationaler Herkunft, sozioökonomischem Status, Sprache und körperlicher Fähigkeiten. Dabei geht es auch um das Zulassen unterschiedlicher Standpunkte und Meinungen.

Inclusion (Inklusion): Inklusion, das ist mehr als die bloße Einbeziehung von „Abweichenden“ in eine ansonsten gleichbleibende Umgebung. Sondern umgekehrt: Die Anpassung dieser Umwelt an die jeweiligen Voraussetzungen der Menschen (zum Beispiel Barrierefreiheit), sodass alle Menschen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und eine Kultur geschaffen wird, in der alle Perspektiven Platz haben und Wertschätzung erfahren.

Equity (Gleichheit): Gleichstellung (Equity) ist erst erreicht, wenn Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen die gleichen Chancen erhalten und bedarfsgerechte Angebote erfahren.

Als zweiter deutscher Fußballverein nach Borussia Dortmund hat sich der Hamburger SV dem United Nations Global Compact angeschlossen, einer Initiative der Vereinten Nationen für nachhaltige und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Als Teilnehmer hat sich der HSV dazu verpflichtet, in regelmäßigen Abständen einen Fortschrittsbericht zu den Zehn Prinzipien des UN Global Compact zu veröffentlichen.

Wie wird es im März mit der Nachhaltigkeit in der Bundesliga weitergehen? Wir bleiben dran!